Ernst Schulze in Celle
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Ernst Schulze in Celle


Am 22 März wurde in Celle in der Schuhstraße 17 im Jahre der Revolution  1789 Ernst Schulze als Sohn des Bürgermeisters von Celle geboren. Als er zwei Jahre alt war, starb seine Mutter. Seine Stiefmütter konnten sich um seine Erziehung  nur wenig kümmern. Das Celler Ernestinum konnte diese Nachteile  zunächst kaum ausgleichen.

"Ungefähr bis in mein vierzehntes Jahr wurde ich zu Hause für ein ganz gutmüthiges, aber höchst unnützes Kind und zu allen Dingen unbrauchbares Geschöpf gehalten, weil meine Kleider immer in den ersten Tagen zerrissen, meine Bücher, sobald ich sie erhalten hatte, verloren waren, weil ich alle Aufträge verkehrt besorgte, nie etwas Neues wußte, das Rechnen nicht lernen konnte und über keine Sache im gewöhnlichen Leben vernünftig zu reden verstand. "

Einen gewissen Erfolgfand Ernst Schulze vorerst in der Rolle eines verwegenen Rädelsführers im Celler Kreis seiner Altersgenossen, aber derweil  begab er sich in eine neue poetische Welt, indem er sich als Sechzehnjähriger in Rittergeschichten, Feenmärchen und verschiedenste französische Literatur vertiefte sowie auf einsamen Wanderungen Moor- und Heidelandschaften durchstreifte.

"Ich lebte ganz meinen Phantasien und war auf dem Wege, ein ganz unheilbarer Schwärmer zu werden "

Trotz dieser romantischen Tagträumereien konnte Schulze als einer, "den seine Imagination in Tändeleyen und Träumereien einwigt, und es ihm nicht möglich läßt, für die Vorträge seiner Lehrer aufmerksam zu sein" , mit der Schule etwas Struktur in sein Leben bringen.

Göttingen

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In seiner  Promotionsschrift erwähnte er wichtige Anregungen während des Studiums : das elegante Schreiben in der Muttersprache, das Erlernen des Hebräischen, die Beschäftigung mit lateinischen Poeten und Schriftstellern - zumal Horaz, Vergil, Tacitus, Vellejus, Catull und Cicero - und mit der Literatur von Petrarca bis in die Moderne sowie mit der griechischen Poesie. Er studierte weitgehend selbstbestimmt.

Seine ersten Sonette, Episteln und Elegien legte er Friedrich Bouterwek vor, einem  Professor, dem er vertraute und der nach Schulzes Tod dessen  Biograph wurde. Bouterwek veröffentlichte Schulzes Psyche, eine Nachdichtung von Apuleius' Amor und Psyche, 1819 im gesamten. Sein Urteil über Schulzes frühe Dichtungen : "im Ganzen unbezweifelbare Beweise von wahrem Dichtertalent." 

Nach einem fast fünfjährigen Studium beantragte Schulze im Juni 1811 gleichzeitig Promotion und Habilitation bei der Philosophischen Fakultät. Eine voreilig gedruckte, als verworren angesehene Dissertationsschrift wurde nicht berücksichtigt. Stattdessen absolvierte Schulze eine Inauguraldisputation über elf vorgelegte, philosophische Thesen. Noch am Tag der Disputation, am 30. Januar 1811, wurde ihm das Diplom seiner Promotion ausgestellt. Die Erlaubnis zu dozieren erhielt er im März 1812, nachdem er seine dafür eingereichte Venia-Dissertation erfolgreich verteidigt hatte.

Ernst Schulze als liebender Verehrer Cäcilie Tychsens


Wichtiger als seine ersten beruflichen Schritte als Privatdozent wurde seine Liebe zu Cäcilie Tychsen, der Tochter des Orientalisten und Theologen Thomas Christian Tychsen, die er kurz nach seiner Promotion als knapp 17-Jährige kennengelernt hatte.

Cäcilie und ihre Schwester Adelheid galten als schön, musisch begabt und gebildet und wurden von vielen Männern der Göttinger Gesellschaft verehrt. Schulzes Leben wurde während seiner einjährigen Bekanntschaft mit Cäcilie grundlegend verändert. Auch sein Dichten erlebte eine Wende. Die unheilbar an Lungentuberkulose erkrankte Cäcilie rückte ins Zentrum seiner romantischen Sehnsucht. Es wurde für ihn unerwartet eine ernste Liebe, die er poetisch überhöhte. Cäcilie starb am 3. Dezember 1812. Wenig später schrieb Schulze:

"[...] in Cäcilien fand ich mich selbst, doch viel reiner, viel keuscher, viel schöner und herrlicher. Sie war Das, was ich vielleicht werden könnte, wenn es eine Unsterblichkeit gäbe, und wovon ich jetzt nur der Schatten bin. "

Auch bei ihm hatte sich zwischenzeitlich eine "Schwindsucht" manifestiert.

Fortan wurden Schulzes Leben und Dichten von seinen Gedanken an die Geliebte bestimmt, selbst als er schließlich Cäcilie in deren Schwester Adelheid wiedergefunden zu haben glaubte und diese mit seiner Liebe bestürmte.

1813 gelang es ihm, die seinem Förderer Bouterwek gewidmeten, frühen, meist vor 1813 entstandenen Gedichte, darunter die zwei Zyklen Elegieen und Episteln, erscheinen zu lassen.

Teilnahme an den Befreiungskriegen

Cäcilie hatte die Franzosen als Besatzer gehasst und Schulzes frankophile und kosmopolitische Ansichten abgelehnt. Daher fühlte er sich im Gedenken an die Tote gedrängt, am Befreiungskampf gegen die Franzosen  teilzunehmen. Ab Dezember 1813 leistete er ungefähr ein halbes Jahr lang freiwilligen Kriegsdienst.

Wegen seiner fortschreitenden Tuberkulose konnte er sich in dieser Zeit, vor dem eigentlichen militärischen Einsatz, für knapp zwei Monate im Hause seines Mentors Friedrich Bouterwek erholen und arbeitete an dem im Januar 1813 begonnenen, seine verstorbene Geliebte glorifizierenden Epos Cäcilie weiter.

Nach dem Krieg stellte er die Aufgaben des Gelehrten zurück und vertiefte sich bis zur Besessenheit in seine poetische Produktion. Die Hoffnung, eine Professur zu erhalten, zerschlug sich. Er selbst verfolgte dieses Vorhaben nur halbherzig. Zu sehr stand er im Bann der Arbeit an seinen großen Versepen Cäcilie und Die bezauberte Rose.

Sein Tagebuch und seine Briefe, die bisher allerdings nur auszugsweise veröffentlicht worden sind, ergänzen die Gedichte. Sie zeigen ein hohes Maß an Selbsterkenntnis und Selbstanalyse und bestätigen seine innerlich zerrissene Verfasstheit, die auch im Äußeren zum Ausdruck kam. Auffallend häufig erwähnte er in vertraulichen Äußerungen seine verschiedenartigen Charaktere oder Rollen und jene Probleme, die ihm sein Rollenspiel einbrachte.

Auf größeren Wanderungen - so beispielsweise Ende September 1814 durch das Wesertal und im Herbst 1816 durch die Rhein- und Maingaue - entkam er alldem vorübergehend. Sein "Landstreichergenie" brach sich Bahn und er konnte hoffen, "frei und fröhlich" mit "ein wenig Liederlichkeit" seinem eigentlichen Wesen wieder näher zu kommen und auch körperlich zu genesen.

Tod in Celle


Nach der Rückkunft von seiner Rhein-Main-Wanderung ereilte ihn Ende November 1816 in Göttingen ein Blutsturz. Anfang 1817 sprach er in einem Brief die Hoffnung aus,

"künftigen Sommer nach Italien zu gehen, um dort vielleicht mehrere Jahre zu bleiben".

Noch im März 1817 kündigte er für das Sommersemester drei Lehrveranstaltungen an. Doch sein gesundheitlicher Zustand wurde immer kritischer. Kurz vor Ostern holte ihn seine Stiefmutter nach Celle. Hier erreichte den Todkranken die Nachricht, dass er bei einem von dem Leipziger Verleger Brockhaus veranstalteten Preisausschreiben den 1. Preis im Bereich "poetische Verserzählung" für Die bezauberte Rose gewonnen habe.

Schulze starb am 29. Juni 1817 mit 28 Jahren und wurde auf dem Bürgerfriedhof beigesetzt.

Goethe schrieb über ihn:

Wir hören, weil hier besonders von Liedern die Rede sein soll, einen sanft melancholischen Anklang, der sich von Hölty bis zu Ernst Schulze durchzieht...

Werke

Weder von Schulzes dichterischem Werk noch von seinen Briefen und Tagebüchern gibt es bisher umfassende, kritische Ausgaben. Heutige Veröffentlichungen folgen meist der von Ernst Schulze selbst in Göttingen veröffentlichten Ausgabe der Gedichte (Elegieen, Episteln, Vermischte Gedichte) von 1813 und der von Friedrich Bouterwek posthum besorgten Ausgabe: Ernst Schulze's sämmtliche poetische Schriften, 4 Bände, Leipzig 1818-1820. Davon ließ Brockhaus Neuauflagen folgen

Rezeption

Ernst Schulze traf mit seinen Gedichten und poetischen Verserzählungen, für die er sich zu Anfang Johann Matthesons und Christoph Martin Wielands Werke als Vorbild genommen hatte, den Geschmack seiner Zeit. Die Mischung aus Natur- und Liebeslyrik und Vaterländischem erlebte schon kurz nach Schulzes Tod so breiten Zuspruch, dass Brockhaus mehrere Ausgaben der "Sämmtlichen poetischen Werke" herausbrachte. Zudem erschienen im Laufe des 19. Jahrhunderts einzelne Gedichte, Gedichtzyklen und Epen in gesonderten Einzeldrucken und wurden in viele Sprachen übersetzt. Den größten Erfolg zeitigte Die bezauberte Rose.

Wirklich bedeutend wurden Franz Schuberts Vertonungen aus den Jahren 1825 bis 1827, die in ihrer textlichen Thematik und musikalischen Stilistik die später entstandene Winterreise vorbereiteten.

Dass Die bezauberte Rose trotz ihrer Handlungsarmut Beethoven als Opernsujet angeboten und tatsächlich von zwei eher unbedeutenden Komponisten als Oper vertont wurde, lag an deren überwältigendem Erfolg beim Lesepublikum.

Vertonungen

Franz Schubert vertonte neun Gedichte Schulzes zu Sololiedern mit Klavierbegleitung. Die Gedichte stammen aus Schulzes Poetischem Tagebuch, das er vom 29. Juni 1813 bis zum 17. Februar 1817 führte.

Schubert hat eigene Titel gewählt. Die Schulze'schen Titel sind in Klammern gesetzt und folgen der Brockhaus-Ausgabe von 1822, die Schubert höchstwahrscheinlich benutzt hat.

  • Der liebliche Stern D. 861, komponiert 1825 (Am 28sten April 1814)
  • Im Walde D. 834, 1825 (Im Walde hinter Falkenhagen. Den 22sten July 1814)
  • Auf der Bruck D. 853, 1825 (Auf der Bruck. Den 25sten July 1814)
  • Um Mitternacht D. 862, 1825 (Am 5ten März 1815, Nachts um 12 Uhr)
  • Im Frühling D. 882, 1826 (Am 31sten März 1815)
  • Lebensmut D. 883, 1826 (Am 1ten Aprill 1815)
  • An mein Herz D. 860, 1825 (Am 23sten Januar 1816)
  • Über Wildemann D. 884, 1826 (Ueber Wildemann, einem Bergstädtchen am Harz. Den 28sten April 1816)
  • Tiefes Leid, auch Im Januar 1817 D. 876, 1826 (Am 17ten Januar 1817)

Literatur

  • Friedrich Bouterwek: Biographische Vorrede. In: Cäcilie. Ein romantisches Gedicht in zwanzig Gesängen von Ernst Schulze. Erster Teil. Leipzig 1818, S. I-XXV
  • Hellmut Draws-Tychsen: Ernst Schulze (1789-1817). Poetische Tagebuchblätter für die Schwestern Cecilie und Adelheit Tychsen. München o. J. [1965]
  • Hermann Marggraff: Ernst Schulze. Nach seinen Tagebüchern und Briefen sowie nach Mittheilungen seiner Freunde geschildert. In: Sämmtliche poetische Werke von Ernst Schulze. Dritte Auflage. Fünfter Theil. Leipzig 1855
  • Harald Müller: Bibliographie der Werke Ernst Schulzes. In: Celler Chronik 1/1983, S. 84-111.
  • Ders.: Ernst Schulzes Werk in Vertonungen. Zur Wirkungsgeschichte des Celler Dichters in der Musik. In: Celler Chronik 1/1983, S. 112-159
  • Ders.: Ernst Schulze - Buchausgaben seiner Werke. In: Celler Chronik 4/1989, S. 61-67.
  • Heinrich Pröhle: Schulze, Ernst (Dichter). In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 32, Duncker & Humblot, Leipzig 1891, S. 763-765.
  • Ernst Schulze: Der junge Wohlklang! Tagebücher und Briefe, hrsg. von Oskar Ansull und Joachim Kersten, Wallstein, Göttingen 2017 ISBN 978-3-8353-3117-4
  • Johannes Tütken: Magister Ernst Schulze - ein früh verstorbener Lieblingsdichter seines Jahrhunderts. In: Privatdozenten im Schatten der Georgia Augusta, Teil II. Göttingen 2005, S. 659-880           ( alle Daten ohne Gewähr - Quelle wikipedia )

Die  Ernst-Schulze-Gesellschaft  in Celle will  den nahezu vergessenen Celler Dichter wieder ins Bewußtsein der Öffentlichkeit rücken und auch dafür sorgen, dass der Dichter Ernst Schulze heute wieder bekannter wird. Er soll in zahlreichen kleineren und größeren Veranstaltungen präsent sein, in Celle und auch anderenorts.

( Quelle wikipedia  -  Ernst Schulze Gesellschaft )    www.ernst-schulze.eu

Der Briefwechsel Ernst Schulze mit Georg Heinrich Olbers:

https://elib.suub.uni-bremen.de/edocs/00105281-1.pdf


Mehr zu Ernst Schulze, Georg Heinrich Olbers, Lilienthal und Arno Schmidt:


www.wastebag.wordpress.com 

Im Rittergut Habighorst verbrachte Ernst Schulze Anfang des 19. Jahrhunderts einige Sommerferien bzw. "Leseferien" als 14 bis 16jähriger im alten Rittergut, da sein Vater hier Verwalter war. Ernst Schulze liebte besonders die romantischen Feen- und Ritterromane der hier zurückgelassenen Bibliothek der adligen Besitzer, viele waren in französischer Sprache verfasst.

Mehr zu Ernst Schulze:

https://wastebag.wordpress.com/2018/06/24/zwischen-rittern-und-feen/ 



Der junge Wohlklang - Ernst Schulze 1789 bis 1817 - Tagebücher und Briefe - Wallstein Verlag 2017 - ISBN 978-3-8353-3117-4


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